Es gibt einen Moment im Juli, den jede Gärtnerin kennt: Der Rasen ist strohgelb, die Hortensie hängt wie ein nasser Fetzen – nur ein Beet steht da, als wäre nichts. Lavendel, Sonnenhut, Fetthenne, Katzenminze: aufrecht, blühend, voller Hummeln. Es ist kein Zufall, welches Beet das ist. Es ist das, das nie gegossen wird.

Die Sommer in Österreich werden messbar heißer und trockener, die Zahl der Hitzetage hat sich in vielen Regionen seit den 1980er-Jahren vervielfacht. Wer heute ein Beet plant, plant am besten gleich für dieses Klima. Die gute Nachricht: Die Pflanzen dafür gibt es längst, und sie gehören zu den schönsten überhaupt.

Warum manche Stauden Hitze lieben

Trockenkünstler erkennt man oft schon am Aussehen. Graue und silbrige Blätter – Lavendel, Wollziest, Heiligenkraut – reflektieren das Sonnenlicht, ihre feinen Härchen bremsen den Wind und die Verdunstung. Dickblättrige Arten wie die Fetthenne speichern Wasser im Gewebe. Und viele Präriestauden wie Sonnenhut oder Indianernessel wurzeln erstaunlich tief: Sie holen sich ihr Wasser dort, wo der Rasen längst nicht mehr hinkommt.

Diese Pflanzen stammen aus Steppen, Prärien und mediterranen Garriguen – Lebensräumen, in denen Monate ohne Regen normal sind. Ein heißer Innenhof in Krems oder ein Südhang im Weinviertel ist für sie kein Härtetest, sondern ein Heimspiel.

Die verlässlichsten Kandidaten

Für das sonnige Trockenbeet haben sich einige Arten tausendfach bewährt: Purpur-Sonnenhut und Mädchenauge blühen von Juli bis September. Katzenminze und Salbei liefern das Blau und lassen sich nach der ersten Blüte zurückschneiden – sie blühen dann im Spätsommer gleich noch einmal. Die Fetthenne trägt ihre rosa Teller bis in den Oktober und steht auch im Winter noch als Silhouette im Beet. Dazu Schafgarbe, Wolfsmilch, Perowskie und die Königin der Bienenweiden, der Ysop.

Gräser machen das Bild komplett: Federgras, das bei jedem Lufthauch wogt, oder das straff aufrechte Pfeifengras. Sie bringen Bewegung ins Beet und überbrücken die Zeiten zwischen den Blütenwellen.

Das Geheimnis liegt im Boden, nicht in der Kanne

Der häufigste Fehler beim Trockenbeet ist gut gemeint: zu gute Erde. In fetter, humoser Gartenerde wachsen Steppenpflanzen weich und mastig, kippen um und faulen im nassen Winter. Was sie wollen, ist das Gegenteil – mager und durchlässig. Mischen Sie auf schweren Böden großzügig Sand und Splitt ein, gerne ein Drittel des Volumens. Eine mineralische Mulchschicht aus Kies hält die Feuchtigkeit im Boden, die Wurzelhälse trocken und lässt Selbstaussaat zu.

Gedüngt wird kaum bis gar nicht. Und gegossen wird nur im Pflanzjahr, solange die Wurzeln noch nicht tief sitzen. Danach gilt die härteste Regel des Trockenbeets: Lassen Sie die Kanne stehen. Wer ständig oberflächlich gießt, erzieht sich Flachwurzler, die beim ersten echten Hitzeschub schlappmachen. Wer nicht gießt, zwingt die Wurzeln in die Tiefe – dorthin, wo das Wasser ist.

Pflanzen im Herbst, ernten im Sommer

Die beste Pflanzzeit für Trockenstauden ist der frühe Herbst: Der Boden ist warm, die Luft kühl, der Regen erledigt das Angießen. Bis zum ersten Hitzesommer haben die Pflanzen dann ein Dreivierteljahr Zeit, Wurzeln zu schlagen. Setzen Sie in Gruppen von drei bis sieben Pflanzen einer Art – das wirkt ruhiger und ist insektenfreundlicher als ein Musterkatalog aus Einzelstücken.

Und lassen Sie das Beet im Herbst stehen, wie es ist. Die Samenstände von Sonnenhut und Fetthenne sind Vogelfutter und Winterquartier zugleich, mit Raureif überzogen sind sie außerdem das schönste, was ein Jännergarten hergibt. Zurückgeschnitten wird erst im zeitigen Frühjahr.

Der kleine Pflegekalender fürs Trockenbeet

So genügsam das Beet ist, drei Termine im Jahr lohnen sich. Der erste ist der Frühjahrsschnitt Ende Februar, März: Alle vertrockneten Stängel des Vorjahres werden eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten – vorher nicht, denn in den hohlen Halmen überwintern Nützlinge. Der zweite ist der Sommerschnitt nach der ersten Blüte: Katzenminze, Salbei und Schafgarbe treiben nach einem beherzten Rückschnitt um die Hälfte binnen Wochen neu durch und blühen im Spätsommer ein zweites Mal. Der dritte Termin ist das Teilen alle paar Jahre im Herbst oder Frühjahr, wenn Horste von innen verkahlen – ausgraben, mit dem Spaten teilen, neu setzen, verschenken.

Was Sie streichen dürfen: das Wässern (nach dem ersten Jahr), das Düngen (Magerkeit ist Programm) und das schlechte Gewissen im Urlaub. Was Sie behalten sollten: einen Blick für Selbstaussaat. Trockenstauden wandern gern – der Sonnenhut taucht plötzlich zwei Meter weiter auf, die Wolfsmilch besetzt eine Fuge. Wer diese Umzüge zulässt, statt sie zu korrigieren, bekommt mit den Jahren ein Beet, das sich selbst weiterkomponiert. Man ist dann weniger Gärtner als Redakteur: Man streicht nur noch, was gar nicht passt.

Ein gut gebautes Trockenbeet ist übrigens kein Verzicht, sondern eine Befreiung: kein Gießstress im Urlaub, kein schlechtes Gewissen bei Gießverboten, dafür Blüten von Mai bis Oktober und ein Dauersummen, das man bis zur Terrasse hört. Der Klimawandel stellt dem Garten harte Fragen. Dieses Beet hat eine erstaunlich elegante Antwort.